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Dr. Ludwig Soswinski (1905-1997) – Widerstandskämpfer, KZ-Häftling, Nachkriegspolitiker: Eine politische Biografie

Im Rahmen eines zweijährigen Forschungsvorhabens soll der umfangreiche Nachlass des Widerstandskämpfers, KZ-Häftlings und Nachkriegspolitikers Dr. Ludwig Soswinski (1905-1997) erschlossen und wissenschaftlich aufgearbeitet werden. Auf der Grundlage seines Nachlasses und unter Heranziehung zahlreicher Quellen in in- und ausländischen Archiven ist es unser Projektziel, eine biografische zeitgeschichtliche Studie über Ludwig Soswinski zu erarbeiten, die – unter den theoretisch-methodischen Prämissen moderner Biografik – einen wichtigen Beitrag zur Politikgeschichte der Ersten und Zweiten Republik sowie der dazwischen liegenden radikal-autoritären Phase des Dollfuß-Schuschnigg-Regimes und der totalitären NS-Diktatur leisten soll.

Eine Biografie über Ludwig Soswinski stellt aus der Perspektive der österreichischen Zeitgeschichte, insbesondere im Bereich der Widerstands-, KZ- und Nachkriegsforschung, ein absolutes Forschungsdesiderat dar. Gegenwärtig liegen biografische Daten zu Soswinski nur in ansatzweiser, rudimentärer und fragmentarischer Hinsicht – etwa als Nachrufe in Zeitungen und Zeitschriften, als standardisierte lexikale Einträge in Handbüchern oder als torsohafte Kurzbiografien im Internet (bspw. auf Wikipedia) – vor, ein Umstand, der in eklatantem Widerspruch zu seiner einstigen Bedeutung als Politiker, Zeitzeuge und engagierter Antifaschist steht. Soswinki zählte immerhin zum Kreis jener RepräsentantInnen der Gründergeneration der Zweiten Republik, die nach ihrer Befreiung aus den Konzentrationslagern bereits 1945 am staatlichen und wirtschaftlichen Wiederaufbau eines demokratischen Österreich entscheidenden Anteil hatten. So gehörte Soswinski bereits 1945 dem Generalrat der Oesterreichischen Nationalbank an, der die Wiedereinführung des Schillings aber auch die Reetablierung eines Finanzsystems im neu errichteten Staatswesen der Zeiten Republik zentral mitgestaltete. In der Nachkriegszeit trat Soswinski vehement für die gerichtliche Aufarbeitung der NS-Verbrechen ein und engagierte sich für die Interessen der vom NS-Regime Verfolgten. Über mehrere Jahrzehnte war er in leitenden Funktionen in den Verbänden der Widerstandskämpfer und NS-Opfer tätig, u. a. als Obmann der Lagergemeinschaft Mauthausen und Bundesobmann des KZ-Verbands. Er war insbesondere 1963 an der Gründung des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes (DÖW) beteiligt und fungierte bis 1997 als dessen Vizepräsident. In diesen Funktionen und als Mitglied der Opferfürsorgekommission im Sozialministerium war Soswinski über viele Jahre hinweg einer der maßgeblichen Hauptverhandler bei den zahlreichen Novellierungen des Opferfürsorgegesetzes in den diversen Opferverbänden. Soswinski war bereits im April 1938 mit dem „Prominententransport“ in das KZ Dachau deportiert worden, überlebte die Konzentrationslager Dachau, Flossenbürg, Lublin (Majdanek) und Mauthausen, wobei er im Lagerwiderstand der angeführten KZs eine aktive Rolle gespielt hatte, und wirkte 1945 an dem sogenannten Mauthausener Manifest mit, einer Art antifaschistischer Gründungsurkunde der Zweiten Republik.

Aufgrund der Tatsache, dass er – als ehemaliger Zugskommandant der akademischen Legion des Republikanischen Schutzbundes im Bürgerkrieg des Februar 1934 – von der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei zur KPÖ gewechselt und 1945-1958 auch für die KPÖ im Wiener Gemeinderat und Landtag tätig gewesen war, blieb seine Biografie in der Öffentlichkeit weitgehend unbekannt.

Projektleitung: Hon.-Prof. Dr. Wolfgang Neugebauer, Univ.-Prof. DDr. Oliver Rathkolb

Projektmitarbeiter: Mag. Dr. Peter Schwarz

Förderer: Bundesministerium für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz (BMASK), Arbeitsgemeinschaft der NS Opfer und Widerstandskämpfer Österreichs, Zukunftsfonds der Republik Österreich, Nationalfonds der Republik Österreich für die Opfer des Nationalsozialismus

Dauer (geplant): Oktober 2017 bis September 2019

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