Inhalt ab 2018


2019

Heft 1: Geschichtspolitik im öffentlichen Raum (hg. v. Birgit Nemec/Florian Wenninger)
Ein weit verbreitetes Missverständnis besteht darin, in Straßennamen gleichsam die Geschichte einer Stadt lesen zu wollen. Tatsächlich bilden sie hegemoniale Verhältnisse ab: Herrschende Eliten schreiben ihre Werthaltungen in den öffentlichen Raum ein und werden hierbei mit Aneignungsprozessen und kritischen Gegenentwürfen konfrontiert. Fünf Fallbeispiele, von Israel über Ungarn und Spanien bis Belgien und Österreich, untersuchen im vorliegenden Heft Straßennamen als Instrumente nationaler wie kommunaler Geschichtspolitiken. Die jeweiligen nationalen Kontexte unterscheiden sich erheblich, je nach Land und untersuchter Epoche sind sie geprägt von postdiktatorischen und postkolonialen Diskursen ebenso wie von
ethnischen Konflikten. Gemeinsam ist ihnen die hohe affektive Aufladung des Symbols »Straßenname« vor dem Hintergrund rivalisierender politischer und historischer Identitäten. Die AutorInnen fragen nach AkteurInnen, Motiven sowie Strategien der Inskription und Aneignung und untersuchen typische Verläufe von Benennungs- und Umbenennungsdebatten.

Heft 2: The Memory of Guilt Revisited. The Slovenian Post- Socialist Remembrance Landscape in Transition (ed. by Oto Luthar/Heidemarie Uhl)

The collapse of the communist states is regarded as the starting point of the new Europe. With this turning point, historical narratives have had to be rewritten in the post-socialist countries. Focusing on the little known case of Slovenia, this issue of zeitgeschichte offers a comprehensive survey of the transformations affecting collective memory and the writing of history in one post-communist country. The essays analyze the ways in which Slovenian society has grappled with traumatic historical events and thus give insight into the ongoing struggle over the interpretation of Slovenia’s past. Given the proliferating illiberal tendencies in the political culture of numerous European countries, the strategies of historical revisionism described in this issue are likely to be of considerable interest not only to scholars interested specifically in the case of Slovenia.

 

2018
(ab diesem Jg. erscheint die zeitgeschichte bei V&R unipress, Göttingen)


Heft 1: Gewalteskalation und Kriegsgräuel im Ersten Weltkrieg
(hg. v. Wolfgang Weber/Adina Seeger)

Gewalt, Gräuel und Verbrechen sind drei Fahnenwörter, mit welchen das Elend des Ersten Weltkrieges beschrieben werden kann. Im vorliegenden Heft werden neue Forschungen zur Gewalteskalation des Ersten Weltkrieges präsentiert und daraus resultierende Diskurse in den Kriegs- und Nachkriegsgesellschaften nachgezeichnet.Hannes Leidinger erörtert den Einfluss der k.u.k. Kriegsverbrechen auf die posthabs-burgische Gesellschaft und ihre innenpolitischen Diskurse in der Ersten Republik. Verena Moritz analysiert in ihrem Beitrag die Behandlung von Kriegsgefangenen als Gegenstand der österreichischen Pressepropaganda von 1914 bis 1918. Daniel Marc Segesser setzt sich am Beispiel internationaler juristischer Debatten über Gewalt, Gräuel und Verbrechen mit dem Diktum des Ersten Weltkrieges als Katastrophe der Wissenschaft auseinander. Oswald Überegger untersucht am Beispiel des Bewegungskrieges diverse Faktoren der Gewalteskalation in militärischen Offensiven.

Heft 2: Krieg und Fotografie. Neue Aspekte einer alten Beziehung in transnationaler und postkolonialer Perspektive (hg. v. Markus Wurzer/Birgit Kirchmayr)
Die Verbindungslinien zwischen Fotografie und Krieg sind vielfältig. Bereits seit rund drei Jahrzehnten sind diese Gegenstand historischen Erkenntnisinteresses. In den letzten Jahren haben kultur- und medienwissenschaftlich informierte Ansätze fotogeschichtliche Grundlagen erweitert und neue Fragestellungen geöffnet. Nachdem lange Zeit vor allem Fotografie aus den Weltkriegen forschungsrelevant gewesen ist, rücken nun auch fotografische Praktiken im Kontext anderer Konflikte in den Fokus. Das vorliegende Heft schließt an diese innovativen Forschungstendenzen an und versammelt vier Beiträge, die sich unterschiedlicher Ansätze bedienend mit Fotografien aus Kriegen der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts beschäftigen, die geografisch außerhalb oder an den Rändern Europas stattfanden. Welche Vorstellungen (re-)produzierten Fotografien im Kommunikationszusammenhang des Krieges von der Welt, vom Eigenen und Fremden sowie von Machtbeziehungen? Wie wurden sie dazu von AkteurInnen angeeignet, verwendet, missbraucht und wie wurden dabei bestehende Deutungen affirmiert, modifiziert oder gebrochen?


Heft 3: Landwirtschaft und Ernährung im Nationalsozialismus (hg. v. Ernst Langthaler/Ina Markova)

Die Themen Landwirtschaft und Ernährung im Nationalsozialismus erhalten in der Forschung in den letzten Jahren zu Recht mehr Aufmerksamkeit, vermögen sie doch zentrale Aspekte nationalsozialistischer Herrschaft und der Alltagspraxis der davon erfassten Bevölkerungsgruppen zu untersuchen. Die Beiträge dieses Heftes beleuchten die Ernährung als Mobilisierungs- und Repressionsinstrument des NS-Regimes, die NS-Ära als Schwellenzeit der Agrarmodernisierung, die landwirtschaftliche Pacht als Durchstaatlichung der Agrargesellschaft, die ökonomische und ideologische Rolle des Bergbauerntums sowie die agrarwissenschaftliche Forschung im Nationalsozialismus. Das vorliegende Themenheft wirft nicht nur neues Licht auf einen scheinbar altbekannten Gegenstand, sondern vermag auch Anregungen für weitere Forschungen zur Landwirtschaft und Ernährung im Nationalsozialismus zu liefern.

Heft 4: Reflections on Camps – Space, Agency, Materiality (Antje Senarclens de Grancy/Heidrun Zettelbauer, eds.)
Camps as a global and ubiquitous mass phenomenon of the present and a flexible isolation tool for/against specific socially, politically, or ethnically defined groups are at the centre of current policies and societal debates. In the present volume, the authors explore camps as (cultural) spaces in a broad sense and deal with their complex dimensions as sites of the Modern. They examine camp spaces and their social configurations, physical/architectural qualities, symbolic functions as well as cultural representations in an intent to define the inscribed ambivalences, inconsistencies and paradoxes of the phenomenon. Positioned within different disciplinary contexts (Contemporary History, Visual Studies, Architectural History, Refugee and Gender Studies), the assembled articles present a wide range of understandings and approaches to space, materiality and the relations between governance and agency. The contributors stress the entanglement of social structures, cultural discourse, institutionalisation, individual perception and appropriation. They show how the issue of camps can serve as cross-sectional matter for researchers in different fields in Cultural Theory and Contemporary History.


Die Jahrgänge 1973 - 2017 finden Sie auf der Internetplattform ANNO / AustriaN Newspapers Online bei der Österreichischen Nationalbibliothek.