Inhalt ab 2024

2025

Heft 4: Volkskultur, Kriegserinnerungen und Kultur- und Wirtschaftspolitik nach 1945. Langzeitwirkungen aus der Zwischenkriegszeit und dem Nationalsozialismus  (hg. v. Oliver Rathkolb)
Auf den ersten Blick scheint den vier Beiträgen eine gemeinsame, verbindende These zu fehlen. Tatsächlich setzen sich die Autor:innen mit den Nachwirkungen von kulturellen, mentalgeschichtlichen und wirtschaftlichen Entwicklungen aus der Zwischenkriegs- und NS-Zeit bis in die lange Nachkriegszeit auseinander. Die Brandbreite der Analysen reicht von der Konstruktion einer bodenständigen Tracht in Niederösterreich 1933–1973, mit ursprünglich deutschnationalen Prägungen, bis zur Konstruktion der naturverbundenen Gebirgsjäger der deutschen Wehrmacht in Norwegen und Finnland. Besonders stark auf die Nachkriegszeit fokussiert ist der Beitrag zur alliierten Kunst- und Ausstellungspolitik in Wien zwischen 1945 und 1955, der deren Auswirkungen auf Künstler:innen, Publikum und Medien untersucht. Ebenfalls in die alliierte Zeit nach 1945 reicht der Artikel über die Etablierung der sowjetischen Verwaltung des beschlagnahmten deutschen Industrieeigentums bis 1947.

Heft 3: „Brüder, zur Sonne“?. Entwicklung, Dekolonisierung und sozialistische Solidarität in den österreichischen 1960ern  (hg. v. Eric Burton, Lucile Dreidemy, Hanna Hacker)
Kalter Krieg, Befreiungsbewegungen im Globalen Süden, Bürgerrechtsbewegungen in den USA und die Entwicklungspolitik als neues weltumspannendes Handlungsfeld: All das sind Bezugspunkte inter- und transnationaler Politiken im Österreich der späten 1950er- und 1960er-Jahre. Es entstanden entwicklungspolitisch orientierte ministerielle Gremien und staatsnahe Institutionen ebenso wie eine ganze Reihe an vielfach kirchlich getragenen Nicht-Regierungsorganisationen, die sich mit Entwicklungszusammenarbeit befassten. Teilweise in einem Spannungsverhältnis dazu entfalteten sich Kooperationen zwischen Aktivist:innen beispielsweise der panafrikanischen Schwarzen Diaspora und solchen der sich als kosmopolitisch verstehenden Linken. Das vorliegende Themenheft geht der Frage nach, wie sich Akteur:innen, die der Sozialdemokratie zugerechnet werden können, im Feld dieser neuen Beziehungsmuster verorteten und welche Handlungsentwürfe damit einhergingen. Die Beiträge eröffnen Perspektiven zu globalen und post/kolonialen Dimensionen der österreichischen Zeitgeschichte. 

 

Heft 2: Krise und Transformation der Heimerziehung in den 1970er- und 1980er-Jahren (hg. v. Ulrich Leitner, Mechthild Bereswill, Ingrid Böhler)
Im Feld der Heimerziehung gelten die 1970er- und 1980er-Jahre als eine durch krisenhafte Prozesse und Transformationen gekennzeichnete Schwellenzeit. Markanten Ausdruck und zugleich diskursive Zuspitzung erfuhr die Diagnose in der These vom „Ende der Anstaltserziehung“, die häufig mit der 68er-Bewegung assoziiert wird. Trifft diese Diagnose zu? Wie gestaltete sich der Transformationsprozess? Diesen Fragen wird in diesem Heft nachgegangen. Analysiert werden Fallbeispiele aus Österreich, Deutschland und der Schweiz. Das Konzept Raum wird dabei als heuristische Kategorie verwendet, um Momente des Wandels und der Beharrung der Heimerziehung anhand von Aktenmaterial und Interviews mit Zeitzeug*innen zu untersuchen.
 

Heft 1: Opposition - Integration - Repression. Neue Studien zum Austrofaschismus 1933-1938 (hg. v. Florian Wenninger)
Nachdem die Faschismus-Forschung lange auf die beiden großen Protofaschismen in Italien und Deutschland konzentriert war, wendet sie sich in den letzten Jahren verstärkt den „kleinen“ Regimen zu. In diesem Zusammenhang widmet sich das vorliegende Heft dem Austrofaschismus als einem in mehrerlei Hinsicht aufschlussreichen Studienobjekt für „kleine“ Diktaturen. Die Beiträge fragen nach Art und Grad ideologischer Transfers, nach Strategien in regimeinternen Rivalitäten und Versuchen, abseits stehende Bevölkerungsteile zu integrieren, schließlich nach bisher unbeachteten Aspekten der Repressionspolitik und des Nachrichtenwesens. Zwei Beiträge befassen sich außerdem mit jener Struktur, die im letzten Moment versuchte, der Systemdurchsetzung bewaffneten Widerstand entgegenzusetzen: mit dem Republikanischen Schutzbund als Miliz der heimischen Arbeiterbewegung.

2024

Heft 4: Auswahl – Was man im Geschichtsunterricht lernen soll (hg. v. Christoph Kühberger)
Nachdem die Historiker:innen kennen die Herausforderungen, die mit Auswahlentscheidungen einhergehen, nur zu gut und müssen sich stets aufs Neue kritisch damit auseinandersetzen – seien es nun notwendige zeitliche und räumliche Eingrenzungen oder die selektive Nutzung von Quellen. Das Problem der Auswahl beschränkt sich aber nicht nur auf die (Re-)Konstruktion von Vergangenheit, es zeigt sich auch in Kontexten des historischen Lernens, wie etwa an Schulen oder in Museen. Das vorliegende Heft widmet sich daher ausgehend von unterschiedlichen Limitationen (Seitenumfang, Ausstellungsraum, Länge einer Unterrichtseinheit etc.) verschiedenen Aspekten von „Auswahl“ und fragt danach, welche Lerngegenstände als intentionale Konstrukte der geschichtsdidaktischen Reflexion in Prozesse historischen Lernens eingebracht werden sollten. Im Mittelpunkt steht dabei immer wieder auch der Themenbereich „Nationalsozialismus und Holocaust“, aber auch empirische Fragen nach dem Agenda-Setting der Zeitgeschichte und dessen Einfluss auf den schulischen Lehrplan rücken in den Fokus, ebenso theoretische Fragen nach dem „Lernwürdigen“.

Heft 3: To Help or Not to Help – Humanitarianism in the 20th Century (Sarah Knoll, Katharina Seibert, eds.)
Today, humanitarianism, as a moral imperative to help, is prevalent, especially in the so-called Western world. The public reacts to natural disasters, war, or medical emergencies with a desire to alleviate suffering. But in recent decades historians have begun to critically assess this moral perspective and examine humanitarian organizations, politics, and the motives of humanitarian actors. They highlight how helping people relieve their suffering is just one side to every humanitarian story. Humanitarian actors themselves have their own reasons for helping. Humanitarian aid evolves in a tense dialectic between people in need and the individual agendas of the ‘benevolent saviors.’ This special issue approaches humanitarianism and humanitarian aid from the perspective of such ‘benevolent saviors’ and their agendas and covers different moments in history and geographical regions in the 20th century. The papers analyze humanitarianism as a reconstruction mission according to civilizing desires, as an enabling factor for individual professionalization, as a power struggle, and as a tool for domestic and international policymaking.


Heft 2: Ideologische Transfers und Kontinuitäten. (Nach-)Wirkungen der NS-Zeit
(hg. v. Agnes Meisinger/Oliver Rathkolb)

In diesem Heft wird die methodische Vielfalt und inhaltliche Breite zeitgeschichtlicher Forschung deutlich, die zunehmend das späte 19. Jahrhundert als Untersuchungszeitraum entdeckt und nach wie vor den Nationalsozialismus, aber auch dessen ideologische Wirkungen bis in die 2000er-Jahre kritisch thematisiert. Das Spektrum der Beiträge reicht von der Kriminalisierung der weiblichen Homosexualität im Deutschen Kaiserreich über die rassistische Bevölkerungspolitik Heinrich Himmlers gegenüber Pol:innen vor 1939, die Beteiligung österreichischer Techniker am sowjetischen Raketenprogramm nach dem Zweiten Weltkrieg bis hin zu antisemitischen Bilddarstellungen in der rechtsextremen Zeitschrift Aula, die von 1951 bis 2018 in Graz erschienen ist. 


Heft 1: Lebensborn Maternity Home Wienerwald, 1938–1945 (Barbara Stelzl-Marx, Lukas Schretter, eds.)
Established in Pernitz/Feichtenbach in 1938, the Heim Wienerwald served the SS association Lebensborn as a maternity home to increase the birth rate of “Aryan” children. This volume brings together recent research on the history of the Heim Wienerwald based upon unique sources: the articles focus on the maternity home in the wider context of National Socialist racial policy, presenting findings on the regulations for keeping births within Lebensborn secret, the requirements for admission to Lebensborn, and the assessment of mother and child. Secondly, the volume examines everyday life in this facility and the extent to which the stay of pregnant women and mothers was regulated in the context of National Socialist ideology. Thirdly, it provides an insight into the experiences and everyday life of the staff , especially the student nurses. Fourthly, the volume deals with the children born in the Heim Wienerwald who did not meet the “selection criteria” of the SS and were murdered as part of the National Socialist child “euthanasia” programme.

 


Die Jahrgänge 1973 - 2023 finden Sie auf der Internetplattform ANNO / AustriaN Newspapers Online bei der Österreichischen Nationalbibliothek.