Straßennamen Wiens seit 1860 als "Politische Erinnerungsorte"
Projektziel: Kritische Analyse und zeithistorische Kontexualisierung von Straßenbenennungen sowie Parkbenennungen bzw. Umbenennungen nach in- und ausländischen Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens (aus Politik, Kultur, Medien, Wirtschaft und Wissenschaft etc.) sowie von historischen Ereignissen.
Es ist bemerkenswert, dass gerade in der 2. Globalisierung seit 1980 zunehmend in Wien und auch internationalen Straßenbenennungen nach deren politischer Symbolik in der Vergangenheit hinterfragt und auch bezüglich ihrer Gegenwartswirkung auf die demokratische politische Kultur diskutiert werden. Gerade die personenbezogenen Straßenbenennungen sind wiederum ein Ergebnis der 1. Globalisierung und in Wien seit den 1860er Jahren deutlich sichtbar.
Im öffentlichen Diskursen werden dies politische Symbole aber letztlich nur anhand weniger Fälle diskutiert wie die aktuelle Debatte um das Lueger-Denkmal bzw. den Luegerring, eine damit immer wieder verbundene Auseinandersetzung über den Dr. Karl Lueger Ring, oder zuletzt auch eine kurze Medienschelte zum Helmut-Zilk-Platz gezeigt haben.
Von den rund 6.500 Straßennamen in Wien sind 4.100 Personen bezogen – mit einem deutlichen Übergewicht von Männern bei insgesamt 329 Frauen.
Im Zuge des Projekts sollen die Benennungsumstände und Daten der personenbezogenen Straßenbenennungen bzw. Umbenennungen erhoben werden und in weiterer Folge auf der Basis der berufsspezifischen biographischen Lexika, Datenbanken und wissenschaftlicher Literatur jene eruiert werden, die einen direkten Bezug zu demokratiefeindlichen und rassistischen Zeitumständen und persönlichen Aktivitäten haben bzw. als Symbole in dieser Richtung heute angesehen werden – mit besonderem Schwerpunkt auf die Zeit seit 1918.
In diesem Zusammenhang sollen auch Benennungen nach Kriegsereignissen (allein 52 zu den „Türkenkriegen“) und Militärs thematisiert und diskutiert werden.
In der Endphase werden auch die 282 Parks – soweit personenbezogen – in die Kontextualisierung und Bewertung einbezogen werden.
Aufteilung:
Dr. Peter Autengruber (Autor des mehrfach aufgelegten Standardwerks: Lexikon der Wiener Straßennamen): Geistliche, GrundbesitzerInnen, HistorikerInnen, Kleingartenfunktionäre; Philologen, SportlerInnen, Verlagswesen u. Buchhändler, WohltäterInnen, Diverse
Mag.a Birgit Nemec (Expertin für Umbenennungen): Diverse WissenschaftlerInnen (von BotanikerInnen zu Zoologinnen, inkl. Mediziner und Pharmazeuten)
Univ.-Prof. DDr. Oliver Rathkolb (Projektleiter): Architekten, JuristInnen, MusikerInnen, PolitikerInnen überregional, SchauspielerInnen, UnternehmerInnen,
Mag. Florian Wenninger (Politologe und Zeithistoriker):Herrscherhäuser, Heeresangehörige und mil. Auseinandersetzungen, PädagogInnen, PolitikerInnern in Wien, Polizisten, Wirtschaftswissenschafter
Team: Dr. Peter Autengruber, Mag.a Birgit Nemec, Univ.-Prof. DDr. Oliver Rathkolb, Stefan Tacha, Mag. Florian Wenninger
Förderer: Kulturabteilung der Stadt Wien MA 7, Wissenschafts- und Forschungsförderung
Dauer: Dezember 2010 - Mai 2013
Kontakt: oliver.rathkolb@univie.ac.at
Vienna’s street names since 1860 as "political lieux de mémoire"
Project aim: a critical analysis and contexualization in terms of contemporary history of the naming and/or renaming of streets and parks after Austrian and international figures (from the areas of politics, culture, media, economy, science, etc.) and after historical events.
In the wake of the Second Globalization since 1980 street names have increasingly been subjected to an analysis of their past political symbolism both in Vienna and elsewhere and of the effect these street names may have on today’s democratic political culture. Many of Vienna’s street names date back to the era of the First Globalization and have been on record since the 1860s.
Usually, public discourse ultimately focuses on no more than a handful of cases, as becomes apparent from the current debate about the Karl Lueger monument and/or the Luegerring or from the media criticism directed at the Helmut Zilk Platz.
Of the approximately 6,500 Viennese street names 4,100 are based on people – with a clear preponderance of men over women (3,770 men v. 329 women).
In the course of the project the circumstances and dates of the naming and/or re-naming of streets after historical personalities will be analysed and checked against biographical dictionaries, data banks and scientific literature. This will be done with a view to identifying those personalities who are directly linked to activities or circumstances inimical to democracy or racist in character and/or are considered as symbolic of those attitudes today. Special attention is to be paid to the time after 1918.
In the same context namings after war-related events (52 relating to the “Turkish Wars” alone) and after military personages will be analysed and discussed.
To the extent they have been named after people, Vienna’s 282 parks will be included in the analysis and assessment in the final phase.
c/o Institut für Zeitgeschichte
Universität Wien
Spitalgasse 2-4, Hof 1
1090 Wien
T: +43-1-4277-412 05
F: +43-1-4277-412 99



